Der Bundesverband Ambulantes Operieren schlägt Alarm
Ambulantes Operieren unter Druck
Sehr geehrte Patientinnen und Patienten,
der 10.Juli 2026 wird als der Schwarze Freitag in die Geschichte unseres deutschen Gesundheitssystems eingehen. Den Regierungsparteien ging es nicht um vernünftige Inhalte und verantwortungsbewusstes Reformieren, sondern darum, mit einem medienwirksamen Schnellschuss knapp vor der Sommerpause ein lästiges Dauerthema endlich vom Kabinettstisch zu kriegen.
Jetzt heißt es einmal mehr, das Schlimmste zu verhindern!
Unsere Praxisklinik ist langjähriges Mitglied im Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO e.V.). Der BAO ist seit über 30 Jahren maßgeblich an der Entwicklung des Ambulanten Operierens in Deutschland beteiligt. Der BAO setzt sich von Anfang für hohe Qualitätsstandards und bestmögliche Patientensicherheit beim Ambulanten Operieren ein. Und dies oft gegen den erklärten Widerstand von Politik und Krankenhauslobby. Denn im europaweiten Vergleich verfügt Deutschland über zu viel Krankenhausbetten. Ein Drittel davon steht leer. Deshalb müssen Klinikbetten möglichst oft neu belegt und Behandlungen sowie Operationen unnötig stationär durchgeführt werden. Während im internationalen Durchschnitt 70% der Operationen ambulant erfolgen, sind es in Deutschland bescheidene 30%.
Dabei ist hinreichend bekannt, dass stationäre Behandlungen mit Abstand die teuersten und nicht immer die sichersten sind.
Während die Ausgaben der Krankenkassen für ambulante Medizin nahezu konstant bleiben, steigen die jährlichen Ausgaben für Klinikrechnungen und Arzneimittel. Medikamente sind in Deutschland auffällig teuer und auch noch mit dem vollen Mehrwertsteuerhöchstsatz belegt. Beides ließe sich wie auch die Reduzierung von überzähligen Klinikbetten ändern, wenn die Politik diese vernünftigen und sinnvollen Reformschritte nicht verhindern würde.
Aus Sicht des BAO könnten die neuen Rahmenbedingungen langfristig zu einer Schwächung der ambulanten Versorgungsstrukturen führen. Insbesondere kleinere und mittelgroße Einrichtungen könnten Schwierigkeiten haben, ihre Leistungen weiterhin wirtschaftlich anzubieten.
Die Folgen wären für Patientinnen und Patienten unmittelbar spürbar:
- längere Wartezeiten auf operative Eingriffe,
- größere Anfahrtswege zur Behandlung,
- weniger wohnortnahe Angebote,
- steigende Belastung der stationären Versorgung.
Der Verband warnt davor, dass eine Verschiebung von Behandlungen in Krankenhäuser weder automatisch kostengünstiger noch für alle Patientinnen und Patienten die optimale Lösung sei.
Kritik an der Finanzierung ambulanter Leistungen
Stattdessen werden bei Ihnen als gesetzlich Krankenversicherte mit dem am 10. Juli mit knapper Regierungsmehrheit und unter Fraktionszwang verabschiedeten Gesetz die Gesundheitsleistungen gekürzt, bei ambulanten Operateuren und Anästhesisten nur noch eine begrenzte Menge an Eingriffen bezahlt und die steigenden Sach- und Qualitätskosten wieder nur anteilig vergütet. Krankenhäusern werden dagegen wieder einmal einige hundert Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt, auch als Preis für die Zustimmung im Bundesrat. Die verantwortliche Gesundheitspolitik handelt in hohem Maße unverantwortlich, wenn sicheres ambulantes Operieren gezielt unterfinanziert und der defizitäre und risikobehaftete stationäre Bereich damit querfinanziert und subventioniert wird.
Patientensicherheit darf kein Sparmodell werden
Bis zu 600 000 an jährlich neu auftretenden Krankenhausinfektionen sollten eigentlich Motivation genug gewesen sein, am 10. Juli ein Gesetz zu verabschieden, dass an erster Stelle Ihrer Sicherheit als Patientinnen und Patienten dient und nicht der Zufriedenstellung oft auch noch patientenferner Nutznießer. Sie können als mündige Bürgerinnen und Bürger entscheiden, ob der Plan der Regierung aufgeht, durch bewusste Unterfinanzierung von niedergelassenen Fachärzten und Fachärztinnen weiteren Praxisschließungen Vorschub zu leisten und auf diesem Weg erkrankte Menschen in naher Zukunft zur Belegung leerstehender Klinikbetten zu zwingen.
Warum die Diskussion jetzt wichtig ist
Wer lange genug im Gesundheitswesen mit und für Patientinnen und Patienten tätig ist wie z.B. BAO-Mitglieder, der kann Ihnen aus Erfahrung versichern, dass alle bisherigen Gesetze zur Stabilisierung der chronisch klammen Kassen der Krankenkassen im Nachgang das glatte Gegenteil bewirkten, nämlich Mehrausgaben und Beitragssteigerungen. Zusätzlich stieg jedes Mal völlig zu Recht die Unzufriedenheit der Versicherten, der Ärzteschaft, der Pflege und der medizinischen Fachberufe.
Die dafür verantwortlichen meist fachfremdem politischen Amts- und Würdenträger sind schon längst in andere Funktionen weitergezogen, geblieben sind für die Betroffenen Nachteile und Bürden. Dieses Perpetuum mobile gesundheitspolitischer Verfehlungen muss 2026 gestoppt werden, um unser freiheitlich-demokratisches Gesundheitssystem vor weiteren Schaden zu bewahren. Eine bedarfsgerechte und wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist eine der tragenden Säulen unseres demokratischen Sozial- und Rechtsstaates.
Fragen Sie am besten die Landtags- und Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises, ob sich an deren Überzeugung hinsichtlich des Stellenwertes unseres Gesundheitswesens etwas geändert hat. Für Ihre gesundheitlichen Belange bleiben wir auch weiterhin an Ihrer Seite.
Ihr Praxisteam
Darum bin ich
hier in besten Händen!